1872 – 1874 – Julius Payer – Ö.U. Nordpolarexpedition

(Österreich – Ungarische Nordpolarexpedition)
Bezeichnung: Österreich – Ungarische Nordpolarexpedition
von 1872 bis 1874
Nation: Österreich – Ungarn
Expeditionsart : Nordostpassage
Aufgabe: Erforschung der Nordostpassage. Es sollte die Durchfahrt nördlich des Festlandes von der Barentsee zur Beringstrasse versucht werden.

Finanzierung: ( geschätzte Gesamtkosten 175.000 Gulden)

 

  • Wilczek stellte der öst.-ung. Nordpolexpedition 40.000 Gulden zur Verfügung
  • Kaiser Franz Josef gewährte eine Subvention von 4.000 Gulden in Silber
  • Altgraf Franz Salm spendete 20.000 Gulden, etc.
Teilnehmer: Die Teilnehmer: (Insgesamt 24 Mann)
  • Leiter:
    Schiffsleutnant Karl Weyprecht, aus Michelstadt im Odenwalde.
  • Oberleutnant Julius Payer, aus Templitz in Böhmen.
Die Offiziere des Schiffes:
  • Gustav Brosch – Linienschiffsleutnant, Erster Offizier (aus Komotau,Böhmen)
  • Eduard Orel – Linienschiffsfähnrich, Zweiter Offizier (aus Neutitschein,Mähren)
  • Dr. Julius Kepes – Regimentsarzt, Arzt der Expedition (aus Bari a.d. Theiß,Ungarn)
  • Elling Carlsen – Eismeister & Harpunier (Kapitän d. Handelsmarine aus Tromsö (er kam erst in Tromsö an Bord)
  • Pietro Lusina – Bootsmann (aus Fiume)
  • Anton Vecerina – Zimmermann (aus Draga bei Fiume)
  • Otto Krisch († 26.03.1874 (Tuberkulose und Skorbut, begraben auf der Wilczek Insel) ) – Maschinist (aus Patschlawitz (Kremsier),in Mähren)
  • Josef Pospischil – Feuermann und Maschinenwärter (Heizer) (aus Prerau)
  • Johann Oratsch – Koch (aus Graz)
  • Johann Haller – Jäger & Gletschersteiger (aus dem Passeiertal)
  • Alexander Klotz aus dem Passeiertal in Tirol – Zweiter Jäger, Heiler und Hundetreiber
Matrosen:
  • Lorenzo Marola (aus Fiume)
  • Antonio Zaninovich (aus Lesina),
  • Antonio Catarinich (aus Lussin)
  • Pietro Fallesich (aus Fiume)
  • Vincenzo Palmich (aus Lovrana),
  • Giorgio Stiglich (aus Bukkarice)
  • Antonio Lukinovich (aus Brazza),
  • Antonio Scarpa aus Triest
  • Giacomo Sussich aus Volosca
  • Guiseppe Latkovich aus Fianona
  • Francesco Lettis aus Volosca
Acht Hunde, zwei davon aus Lappland, die anderen aus Wien.
Fahrzeuge:
  • Der „Tegetthoff“ (gebaut von der Fa.Teklenborg & Beurmann in Bremerhaven) [Dreimastschoner / 220 BRT / Länge 38,34 m / 100 PS Dampfmaschine]
Kurzfassung: Ideales Ziel der Reise war die nordöstliche Durchfahrt, ihr eigentlicher Zweck war die Erforschung der Meeresteile oder Länder im Nordwesten von Nowaja Semlja  – der Nordpol war – so die Planung Weyprechts – erst das sekundäre Ziel

Chronologie der Expedition:

1872:

  • 13.Juni – der „Tegetthoff“ verläßt Bremerhaven (Geestemünde)
  • 3.Juli – in Tromsö – Ergänzung von Proviant und Ausrüstung
  • 14. Juli – Auslaufen aus Tromsö nach Nowaja Semlja
  • 30.Juli – 3.Aug. – zum ersten Mal vom Eis eingeschlossen
  • 12. (11.) Aug. – Zusammentreffen von „Tegetthoff“ und „Isbjörn“ 1872 – 2. Isbjörn Expedition
  • 13.Aug. – auf 76°18′ N und 61°17′ E – 1 Seemeile nördlich der Barents Inseln ( = genannt „die drei Särge“ ) am Eisrand festgemacht
  • 15.Aug. – Anlegen eines Lebensmitteldepots an der Küste der Barents Inseln – dieses Depot wird 1874 beim Rückmarsch nicht genutzt
  • 20. (21.) Aug. – die beiden Schiffe trennen sich
  • 21.Aug. – der „Tegetthoff“ wird auf 76°22′ N 62°3′ O nördlich von Nowaja Semlja (Kap Nassau) vom Eis eingeschlossen – Drift mit dem Packeis zuerst nach Ost – dann West

1873

  • 30.Aug. – Landsichtung auf 79°43′ N – 59°33′ O – Betreten ist vorerst unmöglich – Payer nennt die Neuentdeckung „Kaiser-Franz-Joseph-Land“
  • 31.Okt. – das Schiff bleibt 3 Meilen entfernt davon auf 79° 51′ N 58° 56′ O festgefroren
  • 2. Nov. – offizielle Landnahme – Bau eines Steinhügels und Hinterlegung eines Dokumentes. (3)

1874

  • 10.März – 16.März – erste Schlittenreise zu den Inseln
  • 16.März – Maschinist Krisch gestorben (begraben auf der Wilczek Insel)
  • 26.März – 22.April – zweite Schlittenreise
  • 12.April – Payer erreicht den nördlichsten Punkt der Reise am Kap Fligely auf 82° 5′ , hisst die österreichische Flagge und hinterläßt ein Dokument
  • 29.April – 3.Mai – dritte Schlittenreise, Erkundung der Mc Clintock-Insel.
  • 20.Mai – das Schiff wird aufgegeben – die Rückreise in 3 Booten auf Schlitten beginnt Ziel: Wilhelms-Insel bei Nowaja Zemlja
  • 14.Aug. – offenes Meer wieder erreicht
  • 15.Aug. – zum ersten Mal die Boote im offenen Meer eingesetzt auf 77° 40′ N 61° O
  • 16.Aug. – Nowaja Zemlja gesichtet
  • 18.Aug. – im Süden des Schwarzen Kaps auf Novaja Semlja (Kap Nassau gelandet (4)
  • 24.Aug. – Um 8 Uhr abends wird in der Dunen-Bai ein Boot gesichtet, das sie schließlich zum russischen Schoner „Nikolaj“ (unter Kapitän Feodor Voronin) bringt. Die 23 Schiffbrüchigen der Tegetthof – Expedition sind gerettet.
  • 3.Sep. – die „Nikolaj“ läuft in Vardö, Norwegen ein – mit dem Postdampfer „Finmarken“ über Tromsö weiter nach Hamburg – und nach 453 Tagen am
  • 25.Sep. – sind alle zurück in Wien – die Tegetthoff ist bis heute verschollen…
Beschreibung:
Am 31. Mai 1872 setzte sich die gesamte Mannschaft der K. u. K. österreichisch – ungarischen Nordpolexpedition in Bewegung und bestieg den Zug in Richtung Bremerhaven, um dort am 2. Juni die Admiral Tegetthoff, ein dreimastiges, 32m langes und 7,3m breites Schiff in Empfang zu nehmen um neue unbekannte Territorien und eine Nord – Ost Passage zu entdecken.
Das Schiff war unterhalb der Wasserlinie mit Eisenplatten beschlagen und mit einer Dampfmaschine ausgestattet, um bei Windstille durchs Treibeis zu fahren können. Außerdem hatte man Nahrung für eintausend Tage und Kohle für eintausendzweihundert Stunden Fahrt an Bord.
Elf Tage später lief die Admiral Tegetthoff aus. Die Admiral Tegetthoff entging auf der Fahrt nach Tromsö nur knapp den Untiefen des Küstenwassers. Schließlich erreichte die Besatzung zwischen 2. und 4. Juli Tromsö, wo sich Elling Carlsen einschiffte und Weyprecht das Schiff reparieren ließ. Am 14. Juli des Jahres 1872 verließ die Mannschaft Tromsö segelte in Richtung Barents – Inseln. Bereits am 30. Juli wurde die Admiral Tegetthoff vom Eis besetzt und friert zum erstenmal fest.
Am dritten August wurde die Westküste von Nowaja Semlja erreicht. Zur Unterhaltung der Mannschaft spielte der Kommandant auf seiner Zither und sonntags laß Carl Weyprecht aus einer italienischen Bibel vor. Rund eine Woche später tauchte ein fremdes Schiff in der Ferne auf, es war die Isbjörn. Graf Wilczek, Freund und Förderer der Expedition, war ihnen von Spitzbergen aus nachgesegelt um auf den Barents – Inseln (Gehört zum Archipel Svalbard) ein Lebensmitteldepot zu errichten.
Ab dem 22. August war die Admiral Tegetthoff festgefroren und trieb auf einer Eisinsel dahin. Der Kommandant zu Wasser und Eis Carl Weyprecht ließ die Segel einholen. Die Besatzung wußte nun, daß sie für dieses Jahr verloren hatte. Der Kommandant zu Lande Julius Payer probte hingegen die Entdeckungsreise und zog des öfteren mit den Hunden auf die Scholle hinaus.
Am 30. August des Jahres 1873 war es endlich soweit, man hatte ein neues unbekanntes Land entdeckt, Kaiser – Franz – Josefs – Land.
In den beiden Jahren der Expedition litten viele Matrosen klimatisch bedingt an Krankheiten, wie zum Beispiel Lungenschwindsucht, Gliederreißen, Skorbut1 oder an seelischen Krankheiten wie Melancholie. Viele dieser Krankheiten waren auf die Kälte und die Dunkelheit zurückzuführen. Ende des Jahres 1873 versuchte sich der Jäger Alexander Klotz umzubringen. Weiters erkrankte der Schiffsmaschinist Otto Krisch an Skorbut.
Am 24. Februar 1874, nach 125 Tagen Dunkelheit, ging die Sonne wieder auf, gleichzeitig verkündete der Kommandant zu Wasser und Eis Carl Weyprecht die Pläne für die Zukunft der Admiral Tegetthoff. Am 10. März verließ der Kommandant zu Lande Julius Payer mit einem Teil der Mannschaft das Schiff um das Kaiser – Franz – Josefs – Land zu erkunden. Fünf Tage später war die erste Erkundungsreise zu Ende. Tags darauf wurde der Schiffsmaschinist Otto Krisch von seinen Leiden erlöst.
Der Aufbruch zur zweiten Forschungsreise erfolgte am Morgen des 26. März 1874. Zum Team rund um Payer zählten diesmal die beiden tiroler Jäger Haller und Klotz, Lukinovich, Zaninovich, Sussich und Orel. Payer wollte mit seinem Team bei dieser Erkundungsreise den 81. und 82. Breitengrad überschreiten. Noch während Payers zweiter Erkundungsreise ließ Weyprecht den Rückzug nach Europa vorbereiten. Am 29. April brach Payer für die letzte viertägige Schlittenreise auf. Rund drei Wochen nach ihrer Rückkehr, also am 20. Mai des Jahres 1874 verließ die K. u. K. österreichisch – ungarische Nordpolexpedition ihre letzte Zuflucht.
Die Mannschaft zerrte die drei schwerbeladenen Rettungsboote von der Admiral Tegetthoff weg. Nach zwei Monaten waren sie kaum 15 Kilometer von ihrem Ausgangspunkt entfernt. Am 18. August 1874 trieb sie die Erschöpfung an Land. Am darauffolgenden Tag wurden sie von den Besatzungen der russischen Schiffe Wassilij und Nikolaj gesehen und an Bord aufgenommen.

Bei der Rückkehr nach Österreich wurden sie von zigtausend Menschen wie Helden gefeiert. In den feinen Gesellschaften der Monarchie wurde hingegen gelästert, daß die Kartographierung Payers zu ungenau sei, die Küstenlinien nur Hirngespinste Payers seien und daß die entdeckten Länder nur schroffe Felsen im Meer seien. Enttäuscht von seinem Triumph nahm Julius Payer Abschied von der Armee und verließ Wien in Richtung Paris.
Payer starb schließlich am 29. August 1915 am Veldeser See.
Quelle: Text aus HistoArktis
Ergebnis:
Der größte Erfolg der Expedition war die  Wiederentdeckung des Franz-Joseph-Landes (vorher: Rönnebeck-Land).

Anmerkung:
Ist Franz-Josef-Land bereits früher entdeckt worden?

Die 1675 unternommene Fahrt des Holländers Cornelis Roule ?.
Oder – Sechs Jahre vor Payer und Weyprecht – also 1868 – soll der norwegische Robbenfänger Nils Fredrik Rönnebeck die Inselgruppe befahren und für Norwegen in Besitz genommen haben. Das Archipel nennt er Rönnebecks Land. Die Entdeckung wird aber wegen der Fischfanggründe geheim gehalten. So gehen ihm denn auch Ruhm und Ehre verloren.

 


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