1888 – Fridjof Nansen – Überquerung des grönländischen Inlandeises

Nation: Norwegen

Expeditionsart: Handschlitten Expedition ( *1)

Teilnehmer:

Die Teilnehmer von 1888-89 von l.n.r. – Nansen, Ravna, Dietrichson, Balto, Sverdrup, Christiansen.
  • Otto Sverdrup, Kapitän (33 J.)Nansens Stellvertreter
  • Oluf Dietrichson, Offizier (32 J.)
  • Kristian Christiansen (24 J.)
  • Ole Nilsen Ravna (46 J.), aus Lappland (*2)
  • Samuel Johannesen Balto (27 J.), aus Lappland

Fahrzeuge:

Robbenfänger „Jason

Der Heimathafen der „Jason“ war das norwegische Sandfjord und es war ein voll getakeltes Schiff mit drei Masten, zusätzlich war es mit einer Dampfmaschine ausgestattet. An Bord befanden sich neben den Expeditionsteilnehmern noch 64 Mann Besatzung.


Vorbereitungen:

Die Idee für diese Expedition entstand bei Nansen, auf einer Fahrt mit der „Viking“ die er ein paar Jahre zuvor unternommen hatte. Diese Fahrt führte ihn an die Küste von Ostgrönland, wo er für Forschungszwecke Meerestiere sammelte.
Nansen hatte die Vorstellung von einer kleinen Expedition von nur wenigen Leuten mit entsprechend wenig Ausrüstung und dadurch war man schneller unterwegs.
Andere, unter ihnen der Schwede Adolf Nordenskiøld (1883) und Robert Peary (1886), hatten selbst schon Versuche unternommen das Eis auf der größten Insel der Erde zu durchqueren, doch scheiterten sie an ihrem Vorhaben und gelangten nur bis ca. 160 km ins Landesinnere.

Nansen arbeitet an einem ganz anderen Ansatz für solch eine Expedition. Er wollte nämlich, und das war das Besondere, nicht von der besiedelten Westküste über das Eis, zur dünn besiedelten Ostküste gehen, da er der Meinung war am Ende der Expedition an der Westküste leicht ein Schiff zu erreichen welches ihn und seine Mannschaft zurück in die Heimat bringen würde. (*3)

Finanzierung:

Nachdem Nansen seine Pläne an die Presse übergeben hatte und diese sie veröffentlicht hatten, stieß seine Idee auf große Skepsis. Als er nun die norwegische Regierung um Unterstützung bat, lehnte sie mit der Begründung ab, das eine solche Reise nicht durchführbar sei und es zu viele Risiken für eine Finanzierung gab.
Als diese Ablehnung bekannt wurde starteten Studenten aus Norwegen eine Geldsammlung für die Unternehmung.
Ein weiterer Finanzier war Nansen selbst, aber der eigentliche Hauptsponsor für diese gewagte Unternehmung, war ein Kopenhagener Kaufmann, Augustin Gamel.

Fahrt nach Grönland und entlang der der Küste

Der Aufbruch  der Teilnehmer an der Expedition erfolgte im Mai 1888 von Norwegen. Sie trafen sich in Island in der Stadt Isafjördur.

Am 03.Juni 1888 bestiegen sie das Schiff, den Robbenfänger „Jason“ der Kapitän des Schiffes war  Johan Mauritz Jacobsen. nach einer Überfahrt von fast einer Woche kam am 11. Juni die Küste Ostgrönlands in Sicht und am 17. Juli werden die Expeditionsteilnehmer in 2 Boote, mit zusammen 500 kg Ausrüstung, vor der Küste Ostgrönlands abgesetzt.

Nansen plante den Sermilik-Fjord bei Tasiilaq zu erreichen. Doch starkes Treibeis vereitelt das Vorhaben. Zum Schutz der Boote und der Ausrüstung beziehen sie eine große Eisscholle. Hier beginnt eine lange Irrfahrt, auf der Eisscholle, entlang der vom Eis versperrten Ostküste Grönlands. Nach einigen Tagen droht die Expedition schon am Anfang zu scheitern, da von der Eisscholle aus, ein Durchqueren der 16 km breiten Treibeisbarriere, bis an das Festland, unmöglich scheint.

Sie werden innerhalb von 10 Tagen, bis sie doch das Festland erreichen, fast 500 km nach Süden getrieben. Am 29. Juli erreichen sie dennoch die Küste, allerdings sind sie weit von ihrem ursprünglichen Ziel abgedriftet wurden, so das ihre geplante Route einer anderen weichen musste.

Um wenigstens etwas näher an den geplanten Startpunkt zu kommen beschließt Nansen mit den Booten an der Küste wieder nach Norden zu fahren, was sich aber als eine Schinderei heraus stellen sollte.

Nach einer anstrengenden Fahrt erreichten sie am 11. August, nach einer zurück gelegten Strecke von 200 km nach Norden, den Umivik-Fjord . Hier angekommen, entscheidet Nansen den Marsch, die eigentliche Querung über das Inlandeis, von hier aus zu beginnen. Nach einigen Tagen der Vorbereitung (es werden z.B. spezielle Schlitten zusammen gebaut) bricht die Mannschaft auf.

Die Route der Expedition von Nansen 1888/89.

Die Durchquerung beginnt am Gyldenlove-Fjord am 15.August 1888. Das Ziel der Männer ist die Siedlung Christianshaab ( heute: Qasigiannguit) an der Westküste Grönlands. Während des Marsches stellten sich immer schlechtere Wetterbedingungen ein, so das ein Vorwärtskommen in der geplanten Geschwindigkeit sich als nicht realisierbar herausstellte. Um dennoch, wie Nansen geplant hatte, das letzte Schiff nach Dänemark in diesem Jahr zu bekommen, wurde das Ziel geändert. Als neues Ziel wurde Godthab (heute: Nuuk), weiter südlich gewählt. Das neue Ziel war zu diesem Zeitpunkt nur noch 150 km entfernt.

Während des Marsches wurden Höhen von bis zu 2719m erreicht, an diesen Punkt gelangte die Expedition am 11. September, und es wurden auf dem Weg immer wieder Messungen der verschiedensten Art durchgeführt. Die gemessenen Temperaturen gingen herunter bis auf -46°C in der Nacht.

Da nun das Gelände abwärts verlief, was den Marsch, zum Ziel erleichterte, sichteten die Männer am 19. September die Küste von Westgrönland. Am 26. September erreichte die Expedition den  Ameralikfjord.
Um das nun das etwa 100 km entfernte Godthab zu erreichen, bauten die Teilnehmer aus Ausrüstungsgegenständen ein einfaches kleines Boot für zwei Personen. Da es nicht möglich war ein größeres Boot zu bauen, musste sich die Expeditionsmannschaft aufteilen.

Nansen beschloss mit Sverdrup die Strecke mit dem Boot nach Godthab zurück zulegen, der Rest der Mannschaft sollte zurück bleiben und auf Rettung warten, die Nansen in Godthab organisieren wollte. Am 29. September brachen Nansen und Sverdrup auf und erreichten am 3. Oktober schließlich ihr Ziel.

Damit war die erste Überquerung des grönländischen Eises vollbracht. Die beiden Männer wurden vom dänischen Statthalter feierlich begrüßt. An diesem Tag erfuhr Nansen auch das er den Doktortitel verliehen bekommen hatte, für seine vor Beginn der Expedition fertiggestellten Doktorarbeit. Allerdings interessierte Nansen dieser Umstand nicht besonders, den er hatte andere Sorgen und zwar die Entsendung einer Rettungsmannschaft für seine zurückgelassenen Kameraden.

Die Dauer der Überquerung betrug insgesamt 2 Monate und es wurden 560 km zurückgelegt.

Um die Rettung bemüht, wurden zwei Boote nach den Männern ausgesandt, die zurück geblieben waren, und am 12. Oktober waren alle wieder wohlbehalten in Godthab vereint.

Überwinterung 1888 / 1889

Auf Grund , der verspäteten Ankunft am Ziel, war das letzte Schiff in diesem Jahr schon abgefahren. Nun war eine Überwinterung unumgänglich geworden. Doch Nansen war es wichtig eine Nachricht in die Heimat zu senden, aus diesem Grund, beauftragte er einen Inuk mit dem Kajak in das 300 km im Süden liegende Ivigtut zu fahren um die Nachricht von dem Erfolg der Expedition, einem allerletzten Transportschiff der „Fox„, nach Dänemark und Norwegen, mitzugeben.

Während der Überwinterung in Godthab, die 7 Monate dauerte, hatte Nansen die Gelegenheit die Lebensweise der Inuit zu studieren, und er lernte viele Techniken über das Überleben im Eis, was ihm in der Zukunft, von großem Nutzen sein sollte. Eine wichtige Erfahrung war auch der Umgang mit Hundeschlitten.

Über diese Zeit schrieb Nansen in seinem Buch“Eskimoleben“ (norw. Eskimoliv)

Rückkehr

Am 25. April 1889 traten Nansen und sein Expeditionsmannschaft die Heimreise an. Sie wurden durch das Schiff „Hvidbjörnen“ zunächst nach Kopenhagen, am 21. Mai 1889, und dann am 30. Mai 1889 nach Christiania (dem heutigen Oslo) gebracht. In Norwegen wurden sie alle als Nationalhelden gefeiert. Der Erfolg über die gelungene Expedition führte kurz nach ihrer Rückkehr zu Gründung der Norwegischen Geographischen Gesellschaft.

Fazit:

Für die Überquerung des grönländischen Eispanzers, hatten Nansen und seine Männer 49 Tage gebraucht, seit dem Verlassen des Schiffes waren insgesamt 78 Tage vergangen.

Während der Überquerung wurden immer wieder Höhenmessungen vorgenommen und andere wissenschaftliche Daten erfasst. Welche ein neues Bild von der Beschaffenheit des grönländischen Eises brachten.

Es wurde erwiesen das das Innere Grönlands vollständig mit Eis bedeckt ist und nicht nur stellenweise wie oft angenommen wurde.


Quellen:

Buch der Expedition in engl.: http://www.archive.org/stream/firstcrossingofg00nansiala#page/n469/mode/2up

Wikipedia

Frammuseum

Buch: Nansen, Fridjof, Auf Skiern durch Grönland + Eskimoleben, Verlag Volk und Leben, Berlin, 1991, 3-353-00837-3


  • (*1) Handschlitten Expedition – Bedeutet eine Schlitten Expedition, bei der der Schlitten nur von Hand gezogen wird und nicht etwa von Hunden.
  • (*2) Adolf Nordenskiøld empfahl Nansen, Leute aus Lappland zu seiner Expedition mitzunehmen, da sie große Erfahrung mit Eis und Schnee hatten.
  • (*3) Siehe auch: Die Schweizer Expedition die den Startpunkt von Nansen erreichte -> 1912-Schweizer Grönlandexpedition
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